Das Wiesengelände | Eine Dokumentation

Dokumentation eines ökologischen Projektes
Die Gesamtschule Fröndenberg verfügt über ein Wiesengelände hinter der Schule, das eine Größe von ungefähr 4 Hektar hat und aus einem Feuchtbiotop mit Teich und Fließgewässer und einer Streuobstwiese besteht. Schon immer war dieser Bereich für Schülerinnen und Schüler ein Anziehungspunkt und er wurde auch für unterrichtliche Zwecke genutzt. Eine Umwelt-AG kümmerte sich um die Wiesen- und Gewässerpflege. Einmal im Herbst wurde eine Firma bestellt, die mit Motorsensen die große Wiese kurz schnitt.

2003

Abb. 1 Einige unserer Soayschafe

Abb. 1 Einige unserer Soayschafe

Unser Wiesengelände soll von allen Seiten geschlossen werden, um es besser nutzen und pflegen zu können. Mit einem Eltern-Schülerprojekt wird die Einzäunung vollendet.
Ein Landwirt aus der Nachbarschaft schenkt uns 3 Böcke aus seiner Soayschafsherde, die helfen sollen, das Gelände zu pflegen. Ein ausrangierter Holzunterstand wird uns von einem Hobbyzüchter spendiert.
Was ist dieses nun für eine Rasse? Soayschafe sind uns in ihrer Urtümlichkeit aus den frühen Zeiten des Neolithikum von vor etwa 3000 v. Chr. erhalten geblieben. Sie überlebten auf dem entlegenen St. Kilda-Archipel nordwestlich von Schottland, auf der 99 ha großen Insel Soay. Das St. Kilda-Archipel besteht aus 4 Inseln und einigen größeren Felsen. Im nordischen Sprachgebrauch bedeutet der Name Soay Schafinsel, von dieser erhielten die Schafe ihren heutigen Namen.

Abb. 2  Geographische Lage des Kilda Archiples

Abb. 2 Geographische Lage des Kilda Archiples

Das Soayschaf ist die primitivste Hausschafrasse Europas und ähnelt noch stark dem asiatischen Mufflon von dem sie noch heute viele Eigenschaften behalten haben (z.B. bei Gefahr einen Warnpfiff durch die Nase abgeben). Da sie züchterisch nicht so interessant waren, gerieten die Soayschafe   in Vergessenheit. Erst im letzten Jahrhundert entdeckte man sie auf  einer  schottischen Insel wieder und war sehr über ihre Robustheit erstaunt. Die Schafe leben dort wild, haben einen eigenen Fellwechsel, wenig Klauenwachstum, wachsen schnell und lammen mit einem Jahr. Typisch bei Wildtieren ist die saisonale Brunftzeit. Im Oktober und November werden die Weibchen gedeckt und lammen im April und Mai. Einmal im Jahr gibt es immer Nachwuchs.

2004

Abb. 3 Schülerinnen und Schüler der Schaf-AG

Abb. 3 Schülerinnen und Schüler der Schaf-AG

3 Weibchen, die von einem Züchter aus Süddeutschland nach Fröndenberg verkauft werden erweitern die kleine Herde. Da sie tragend sind, bekommen wir in diesem Sommer schon Nachwuchs.
Die Arbeit im Gelände wird nicht weniger, sie verlagert sich nur ein wenig. Ein kleiner Wiesenschnitt fällt noch alle zwei Wochen an, um die Disteln und Brennnesseln zu schneiden, die die Schafe übriglassen. Alter Baumbestand und Sträucher müssen mit Hühnerdraht geschützt werden, weil die Schafe gern die Rinde abschaben, und hier besonders im Winter.
Zaunreparaturen stehen auch oft an. Leider drohen die Gewässer zu verlanden, sodass wir ständig Rohrkolben entfernen, der in den Teich wächst. Schließlich wird das Fließgewässer in seinem Verlauf zum Mäandrieren unterstützt und die Uferzonen freigelegt und mit Natursteinen versehen.

Feriendienste sind angesagt. Zwei Schülerinnen oder Schüler tragen sich wochenweise in die Ferienliste ein. Sie bekommen einen Schlüssel und können selbstständig die Schafe füttern.

2005
Die Herde wächst auf 18 Tiere an. Die älteren Weibchen bekommen Zwillinge und die einjährigen Einlinge. Der Landwirt aus der Nachbarschaft sagt, dass das Gelände Platz für ungefähr 20 bis 25 Tiere hat.
Ein benachbarter Kindergarten fragt an, ob eine Gruppe von ihnen in der Schulzeit montags das Füttern übernehmen kann. Wir freuen uns über die Unterstützung. Die Kleinen kommen bei Wind und Wetter zu uns und bringen oft Tüten mit trockenem Brot mit. Für sie bauen wir noch ein kleines Futterhäuschen und nennen es Brothäuschen.

2006
Die Herde wächst auf über 20 Tiere an. Besonders die Schülerinnen achten darauf, dass nach dem Lammen die Jungen von ihren Müttern versorgt werden. Sobald ein Lamm nicht angenommen wird, übernehmen die Mädchen die Fürsorge. Sie nehmen das Kleine mit nach Hause und ziehen es mit der Flasche auf.
Die Schülerinnen und Schüler der AG bieten die Jungen zum Verkauf auf Nachbarhöfen an. Manche dürfen ein Soayschaf zu Hause im Garten halten. Doch der Bedarf ist bald gedeckt.
Zum ersten Mal denken wir über Schlachten nach. Das Fleisch soll köstlich schmecken. Doch nicht alle Kinder können hier mitziehen. Im Dezember ist Einfangaktion und es geht zum Metzger. Die Wiese kann im Winter nicht mehr als 15 Tiere versorgen, auch wenn wir zufüttern. Durch den Verkauf des Fleisches können wir z.B. das Winterheu finanzieren.

2007/08

Abb. 4  Schülerinnen und Schüler der Schaf-AG

Abb. 4 Schülerinnen und Schüler der Schaf-AG

Die Herde entwickelt sich gut. Die Tiere fühlen sich sehr heimisch. Doch wenn der Tierarzt kommen muss, ist es sehr aufwendig, die kranken Tiere zu fangen. Einzelne Tiere aus einer Herde von Wildtieren lassen sich eben nicht gut einfangen. Und der Tierarzt kommt regelmäßig. Wurmkuren und Impfen sind für alle angesagt. Schließlich muss ein neuer Stall her, in dem man die Tiere füttern und auch einsperren kann, um alle Tiere behandeln zu können.