22. September 2017 | Von | Kategorie: Lesenswertes

Die Gesamtschule Fröndenberg ist für das digitale Klassenzimmer schon ganz gut aufgestellt, aber…
Ob Bildungsforschung oder Wahlkampf: Nie zuvor wurde so intensiv wie jetzt über Digitalisierung des Klassenzimmers gesprochen. Aber: Wie sieht es vor Ort aus? Ein Besuch in der Gesamtschule Fröndenberg.

Die Schule hat ihre Ziele in der „Bedarfsanmeldung für den Haushalt 2018 und folgende Jahre“ klar benannt. Am Dienstag, 26. September, tagt der Schulausschuss, tags darauf der Rat. Im Kern geht es darum, dass Segnungen des digitalen Zeitalters Mädchen und Jungen das Lernen erleichtern sollen.

Die elektronische Wandtafel

Hubert Witte, stellvertretender Schulleiter der Gesamtschule Fröndenberg, erstellt Stundenpläne per Computer-Programm. Foto: Jürgen Overkott

Lehrer und Schüler haben bereits Erfahrungen mit dem Einsatz digitaler Hilfsmittel gemacht. Schulleiter Klaus de Vries zur WP: „Notebook-Klassen wurden von Tablet-Klassen abgelöst. Tablets gewährleisten ein flexibleres Handling im Unterricht.“ Dazu kommt: „Beamer gestützte Tafelsysteme sind anfällig – neue Monitortafeln sind besser.“ In zwei von drei Tablet-Klassen werden Touchscreens eingesetzt. Diese Monitore können nicht nur per Tastatur bedient werden, sondern per Fingerdruck auch auf der Bildschirm-Oberfläche: die elektronische Wandtafel.

Wie steht’s um die technische Ausstattung im Klassenzimmer? Die Ausstattung mit Computern lasse zu wünschen übrig, signalisiert de Vries. Den Investitionsbedarf für neues Gerät schätzt er auf 15 000 Euro pro Jahrgang und Raum.

Betriebssystem aus der Steinzeit

Obendrein müssen Software-Lizenzen erneuert werden. Betriebssysteme wie Windows XP gehören inzwischen zur Computer-Steinzeit. Eine Erneuerung der Programme kostet 13 000 Euro.

Und wie sieht’s mit den Anwender-Programmen aus? „MS Office fehlt“, sagt de Vries knapp. MS Office ist der Klassiker für Textdateien, Tabellen und Diagramme. Dabei bieten Anwendungsprogramme immer mehr Möglichkeiten, etwa das Programm „Bettermarks“ für Mathe. Zudem gebe es „erste Schulbücher mit Software-Unterstützung“.

Auch spezielle Lehrer-Programme sind auf dem Markt: wünschenswert für die GSF. Sie können zur besseren Diagnose von Stärken und Schwächen der Schüler eingesetzt werden. Bessere Einschätzung ermöglicht laut de Vries bessere Förderung des Einzelnen.

Doch auch die Datenübertragung im Schulgebäude muss gefördert werden; sie lahmt. Das kabellose WLAN sei „noch nicht optimal“. De Vries hofft, dass sich dieses Problem mit der Breitband-Anbindung 2018 verbessere. Welche Kosten und Folgekosten dafür anfallen: ungewiss.

Ein Computer-Netzwerk braucht einen sogenannten Administrator – eine Fachkraft, die sich darum kümmert, dass alles läuft oder wieder ans Laufen kommt. Bisher ist das eine Lehrkraft. De Vries nennt das „unzureichend“. Service-Verträge seien notwendig.

Schulleiter: Mensch bleibt Maßstab

Schulleiter Klaus de Vries: Mensch bleibt Maßstab. Foto: Arne Poll

Immerhin sieht sich die Gesamtschule bei der Lehrer-Fortbildung in der Computer-Ära „gut aufgestellt“. „Anwendungsschulungen erfolgen durch eigene Lehrkräfte und Referenten“, sagt de Vries.

Der Schulleiter wagt auch einen Blick in die Zukunft: Er erwartet eine „grundlegende Veränderung des Lernens“, wenn die Voraussetzungen für Hardware und Software, Programme und Datenübertragung gegeben sind – und das entsprechende Raum-Angebot. Wie sieht Büffeln 2.0 aus? „Im digitalisierten Lernen ist Kopieren gewünscht. Wissen ist abrufbar“, entgegnet de Vries.

Dennoch bleibt für ihn eines unverändert: „Maßstab muss der Mensch bleiben mit den Besonderheiten seines Denkens und Handels, nicht die technische Möglichkeit.“

 (WP vom 22.09.2017)

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